ChatGPT statt Netflix, um Filme zu schauen?
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Warum verwenden Sie nicht ChatGPT oder NotebookLM, um Netflix zu schauen?
Zuerst ein persönliches Erlebnis, um diese provokante Frage zu klären.
Der Auslöser für diesen Beitrag ist ein Corporate-Governance-Kurs, den ich für die Studierenden eines Executive-EMBA-Programms unterrichtet habe.
Die Studierenden hatten zur Vorbereitung einen zweistündigen Film, The Smartest Guys in the Room“ (Enron: „Die klügsten Köpfe im Raum“). Dies ist ein Klassiker zum Enron-Skandal und steht keiner Netflix-Produktion nach.
Anhand vorgegebener Fragen war dieser zu analysieren und eine Präsentation vorzubereiten, die im Unterricht weiterbearbeitet wird. Für die Studierenden ist es einfach, Notebook-LM und ChatGPT zu verwenden, um die Aufgabenstellung inklusive Präsentation vorzubereiten.
Wohlgemerkt: Hierzu wäre es nicht notwendig, nur eine Minute des Films anzusehen, der doch etwa 2 Stunden dauert. Welche Verschwendung von Zeit. 😉 Ein Lehrmittel, selbst wenn es ein Film ist, kann doch nicht spannend sein, oder?
Es bedarf aber nur ein bis zwei gezielter Fragen im Unterricht, um festzustellen, welche Studierenden den Film tatsächlich gesehen haben oder nicht. Die Leistungsüberprüfung ist hier jedoch nicht das Thema. Das Thema ist der Lerntransferwert für die Studierenden. Mit anderen Worten: Was haben Sie gelernt? Oder werden Sie sich nach 2-3 Wochen erinnern, sprich, an nützliches Wissen erworben zu haben.
Um es anschaulich zu machen. Warum schauen Sie Game of Thrones oder "INFINITE - Lebe unendlich" mit Mark Wahlberg statt einer Zusammenfassung, die von einer KI oder einer Person für Sie erstellt wurde?
Ja, richtig, Unterhaltung und die Freude an einem spannenden Plot. Übrigens kann man aus Game of Thrones viel zum Thema Governance lernen.
Lassen Sie uns zum Kern kommen.
Was oft nicht verstanden wird, ist, dass die Lösung einer geschäftlichen Aufgabenstellung und Lernen nicht dasselbe Ziel haben. Meine Studierenden im Executive-MBA sind Eigentümer von Unternehmen, Geschäftsführer oder Manager. Sie sind es gewohnt, Probleme zu lösen und gemeinsam mit anderen Ergebnisse zu erzielen. Der effektivste und effizienteste Lösungsweg ist also der beste. Und die richtigen KI-Tools sind hier nützlich und sogar notwendig, um ein wettbewerbsfähiges Geschäft zu betreiben.
Ja, man kann ChatGPT, NotebookLM, Perplexity und andere KI-Tools sehr gut zum Lernen verwenden. Man muss diese aber richtig einsetzen. Es führt daran nichts vorbei, Erfahrungen zu machen, egal ob sie im beruflichen oder privaten Leben sind oder ob es das Schauen eines Films oder das Lesen des Originalwerks eines Autors ist, auf dessen Basis Begreifen und Verstehen stattfinden können.
Die Lernpsychologie wird durch KI nicht außer Kraft gesetzt, und es ergibt Sinn, selbst Notizen zu machen oder eine Mindmap zu erstellen. Die neuronale Vernetzung im Gehirn findet sonst nicht statt. Es können auch nicht die Voraussetzungen geschaffen werden, auf deren Grundlage kognitive, emotionale und motorische Skills erworben werden. Ohne diese lassen sich praktische Problemstellungen im beruflichen oder privaten Leben nicht lösen.
Nehmen Sie sich doch einfach die Zeit, nicht nur die Zusammenfassung – aus Yuval Noah Hararis Büchern zu lesen. Zugegeben, seine Bücher sind etwas umfangreich, aber der Inhalt ist es wert. Warum weise ich Sie auf Hararis Bücher hin? Er liefert uns das dringend nötige Orientierungswissen, das es ermöglicht, in einer komplexen und sich schnell verändernden Welt sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Seine besondere Stärke liegt darin, Erkenntnisse aus Geschichte, Biologie, Psychologie, Wirtschaft und Informatik zu einer allgemein verständlichen Gesamtsicht zu verbinden.
Bleiben Sie neugierig! Be curious!
